Hamburg (rtn) Der Finnwal war mit seinen Artgenossen auf Wanderschaft. Im Sommer hatte er im Nordmeer Krebse gefangen, musste jetzt 4000 Kilometer in den Süd-Atlantik schwimmen. Dabei verirrt sich der "sanfte Riese", so Meeresforscher Cousteau in die Nordsee wo er viele Fische fand. Dann strandete er bei Niedrigwasser auf der Hamburger Hallig, südlich der Insel Föhr. Das Drama nahm am 17. Dezember 1984 seinen Lauf.

Ein 20 Stunden langer Todeskampf begann. Kapitän Peter Schmidt vom Hörnumer Zollkreuzer "Kniepsand" führte Protokoll. Der Riese wog mehr als 1000 Menschen, peitschte mit seiner fünf Meter hohen Schwanzflosse immer wieder das Wasser, wühlte seinen Körper durch den Schlick. "Er hatte sich eine 1 Meter tiefe Rinnen gebuddelt, 50 Meter lang." Die Beamten des Zollkreuzers fuhren mit einem Schlauchboot zu dem Wal, brüllten ihn über Megaphon an, damit er nicht einschläft. Dann wäre seine Lunge vom eigenen Gewicht zusammengedrückt worden. Sie wollten auch eine Trasse um den Schwanz legen und ihn freischleppen. "Aber das war zu gefährlich. Wenn er uns einmal mit der Flosse getroffen hätte - von uns wäre nicht mehr viel übrig geblieben. Sein Auge, groß wie ein Spiegelei, beobachtete jede Bewegung". Als abends um 20 Uhr das Hochwasser um seinen Körper spülte, fasste der Wal neuen Lebensmut: "Die Schwanzflosse schlug sechs Meter hoch aus dem Wasser. Jede Minute blies er acht Meter hohe Fontänen. Sein gewaltiger Kopf zuckte aus dem Wasser. Ein letzter Kampf! Morgens um 04.15 Uhr notierte Kapitän Schmidt:"„Auf der Sandbank ist kein Leben mehr. Der Wal ist tot."

Sein eigenes Gewicht hatte die Knochen gebrochen, die Organe zerquetscht, als er keine Kraft mehr hatte. Zwei Schlepper zogen den toten Wal nach Husum. Sein Skelett wurde für die Uni Kiel präpariert. Bild-Reporter Peter Wüst hatte die dramatische Rettungsaktion am 17. Dezember 1984 dokumentiert. Die Bilder gingen um die Welt.



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