Sommer in Louisenlund
26. Jul. 2010 10:43

Louisenlund (ao) Der „Louisenlunder Sommer“ - Eine Bühne für Talente, Temperamente und Tollkühne.
Bange Blicke vor der Premiere. Das internationale Ensemble aus der Schweiz, Italien, Spanien, England, den USA und Deutschland ist ruhig wie selten zuvor in den vergangen zwölf Tagen. Das Publikum weißt nicht, was es erwarten wird, bis endlich der sich öffnende Vorhang den Blick auf die Bühne freigibt. 38 Kehlen mit Akustik-Gitarrenbegleitung fordern dort: „Bitte, bitte, bitte gib mir nur ein Oh“.  Die Bitte wird erfüllt, das Publikum staunt.


Keine Verschnaufpause für die Darsteller/innen, in Windeseile wird die erforderlichen Requisiten auf die Bühne gebracht, gespielt wird nun der „Krämerskorb“ von Hans Sachs.

 

Und schon fliegen die Fäuste: Der Krämer hat sein ganzes Geld verspielt und will nun auf seine Frau losgehen, weil sie ihm nicht den leeren Einkaufskorb tragen will. Doch die weiß sich zu wehren und entscheidet den Streit für sich. Dem Krämer bleibt nur, aus seinem Schaden klug zu werden: „Fürwahr, es sollt kein weiser Mann sich fremden Haders nehmen an, dass er sich gar nicht drum bekümmer´,sonst springen auch an ihn die Trümmer!“ Kaum ist die Moral des Stückes verkündet, drehen Roboter auf der Bühne eigenwillige Pirouetten, können einparken und sogar sprechen. Aber sie tun – in den meisten Fällen – nur was ihnen befohlen wurde, schließlich stehen ihre Schöpfer und Programmierer gleich hinter ihnen.


Dann geht es Schlag auf Schlag: Pappclowns purzeln auf selbstgebastelten kleinen Barren, eine kurze Lektion auf Spanisch wird erteilt, Akrobatik gezeigt und vom Kirschkernweitspucken mit Marie-Alix Herzogin zu Schleswig-Holstein berichtet, Reitabzeichen, Jüngstensegelscheine und ein Sonderpreis für das bestaufgeräumteste Zimmer werden verliehen. Zum Schluss wird wieder gesungen: Alle Darsteller und Preisträger halten sich an das Motto des Liedes: „Wave your flag“ und werden danach von ihren Eltern in die Arme genommen.


Der „Louisenlunder Sommer“ der gleichnamigen Internatsstiftung geht zu Ende. Die elfjährige Alex aus den USA sammelt noch fleißig E-Mail-Adressen ihrer neuen Freunde bevor sie ihrem Vater schließlich noch von einem Wermutstropfen erzählt: „Wenn wir nicht miteinander Deutsch gesprochen haben, mussten wir immer den Tisch abräumen, das war ganz schön doof“. Möglich, dass sie das in ein paar Jahren schon anders sehen wird. Spätestens wenn die Bühne nicht mehr in der Schule, sondern im Berufsleben steht.



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