Mahnwachen zum Gedenken der Opfer von Hanau

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    Kiel (rtn) Mit Mahnwachen haben am Donnerstagabend deutschlandweit tausende Menschen gegen den mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlag in Hanau demonstriert.

    Auch in Kiel haben die Menschen ihr Entsetzen und die Trauer um die Opfer bei einer Mahnwache zum Ausdruck gebracht. An der Mahnwache vor dem Hauptbahnhof nahmen auch die Landtagsabgeordneten Serpil Midyatli, Ralf Stegner und Dennys Bornhöft teil.

    Bereits am Vormittag hatte der Landtag zum Auftakt seiner Donnerstagssitzung der Toten der Gewalttat in der hessischen Stadt Hanau mit einer Gedenkminute gedacht. Landtagsvizepräsidentin Kirsten Eickhoff-Weber verwies auf den möglicherweise von rechtsextremistischem und ausländerfeindlichem Gedankengut beeinflussten Täter. Alle Demokraten sollten sich solchem Gedankengut entgegenstellen. „Angesichts dieser Taten stehen wir fassungslos und tief erschüttert vor diesem Geschehen. Unsere Gedanken sind bei den Ermordeten, den Verletzten und den Angehörigen“, sagte sie im Plenum.

    Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verbrechens mit elf Toten nach Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) wegen Terrorverdachts. Nach jüngsten Erkenntnissen sei ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben, sagte Beuth im Landtag in Wiesbaden.

    Nach dem bisherigen Ergebnis der Ermittlungen hat der 43-jährige deutsche Staatsangehörige Tobias R. am 19. Februar 2020 gegen 22:00 Uhr in den Bereichen Heumarkt, Kesselstadt sowie Kurt-Schumacher-Platz neun Menschen erschossen und mehrere Personen verletzt, darunter ein lebensgefährlich Verletzter. Das Alter der Todesopfer lag zwischen 21 und 44 Jahren. Unter ihnen waren sowohl ausländische als auch deutsche Staatsangehörige.

    Nachdem sich im Rahmen der Ermittlungen Hinweise auf den Täter ergeben hatten, wurde dessen Wohnung in Hanau von einem Sondereinsatzkommando der Polizei durchsucht. Die eingesetzten Beamten haben Tobias R. sowie dessen 72-jährige Mutter tot aufgefunden. Beide wiesen Schussverletzungen auf. Neben dem mutmaßlichen Täter lag eine Schusswaffe. Sein Vater wurde von den Polizeibeamten äußerlich unverletzt angetroffen.

    Es liegen gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund der Tat vor. Diese ergeben sich aus den augenscheinlich von Tobias R. herrühenden Videos und Dokumenten.

    Derzeit liegen keine Erkenntnisse zu etwaigen Vorstrafen oder Ermittlungsverfahren mit politischem Bezug gegen ihn vor. Die weiteren Ermittlungen werden sich insbesondere auch darauf konzentrieren, ob es noch bislang unbekannte Mitwisser oder Unterstützer gibt. Auch wird das Umfeld des mutmaßlichen Täters durchleuchtet und untersucht werden, ob und welche nationalen und internationalen Kontakte bestanden haben.

    Mit den weiteren Ermittlungen wurde inzwischen das Bundeskriminalamt beauftragt. Dieses wird in Kooperation mit dem Landeskriminalamt Hessen tätig. Unter anderem werten die Ermittler Videos und Dokumente aus, die augenscheinlich von Tobias R. stammen. Zudem laufen kriminaltechnische Untersuchungen zu der oder den bei der Tat verwendeten Schusswaffen. Quelle: Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (GBA)

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