Weltkindertag: Aktion gegen Kinderarmut

    0

    (rtn) Der Kinderschutzbund Stormarn erinnert am heutigen Weltkindertag erneut mit einer Fähnchen-Aktion an die Kinder im Kreis, die als arm gelten. Für jedes Kind im Kreis Stormarn wurde ein blaues Fähnchen in den Rasen vor dem Ahrensburger Schloss gesteckt. Unterstützung erhielt der Kinderschutzbund hierbei von zwei 6. Klassen der Stormarnschule und zwei Klassen der Beruflichen Schulen Ahrensburg. In beiden Schulen fanden in der vergangenen Woche Workshops zum Thema Kinderarmut statt, in denen die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen über Aspekte von Kinderarmut hier im Kreis Stormarn diskutierten.

    Der Kinderschutzbund Stormarn legt in diesem Jahr anlässlich des Weltkindertages den Armutsbericht für den Kreis Stormarn in 4. Auflage vor. Dabei geben die zur Verfügung stehenden Zahlen nicht viel Neues her. Die Anzahl der Kinder in Hartz-IV-Familien stagniert auf hohem Niveau. Bestätigt wurde im vergangenen Jahr, dass die Dunkelziffer der Kinder in Armut um einiges höher ist als vermutet, da die Zahl der anspruchsberechtigten Kinder auf den Kinderzuschlag nach der letzten Anpassung von 800.000 auf 2 Millionen gestiegen ist. Viele Menschen beantragen keine Leistungen, obwohl ihnen diese zustehen, die Bundesregierung geht bei „aufstockenden“ Leistungen von 50 % aus, beim Kinderzuschlag sogar von 65 %. All diese Menschen tauchen in keiner Statistik auf, wenn es um Armut von Kindern geht.

    „Im Workshop zu Kinderarmut an der Stormarnschule sagte ein Mädchen der 6. Klasse etwas sehr Treffendes,“ so Stephanie Wohlers, Geschäftsführerin des Kinderschutzbund Stormarn „‘Arme Kinder, das sind Kinder, die nicht alles haben, was sie brauchen‘. Das ist für uns genau der Punkt: armen Kindern fehlt es an Vielem. Unzureichende finanzielle Mittel – das sind z.B. die aktuellen Hartz-IV-Sätze – führen zu weniger Teilhabe und zu weniger Chancen, das eigene Leben zu gestalten. Daher fordern wir eine Kindergrundsicherung, die Kindern ein würdiges Leben ermöglicht.“

    Kinderarmut ist als politisches Thema aktueller denn je: es taucht nicht nur in den aktuellen Wahlkampfreden auf, sondern wird auch in den Medien von unterschiedlichen Seiten beleuchtet. Dies kommt auch in der Bevölkerung an: nach einer aktuellen repräsentativen Forsa-Umfrage halten 94 % die Bekämpfung der Kinderarmut für sehr wichtig bzw. wichtig und 76 % sprechen sich sogar für eine Kindergrundsicherung aus. Mit dem Starke-Familien-Gesetz ist die Bundesregierung einen ersten Schritt hin zu verbesserten Lebensbedingungen für einkommensschwache Familien gegangen, doch diese eine Maßnahme kann nur ein erster Schritt sein.

    Ein Punkt ist Stephanie Wohlers in der Debatte über Kinderarmut besonders wichtig: „Wir sollten endlich mit den Vorurteilen gegenüber Familien in Armut aufhören. Viele meinen immer noch, dass Eltern nicht das Beste für ihre Kinder wollen und das Geld nicht bei ihnen ankäme. In unserer direkten Arbeit mit den Familien sehen wir aber das genaue Gegenteil. Was wir uns wünschen ist armutssensibles Handeln. Eltern und Kindern sollte Vertrauen und Wertschätzung entgegengebracht werden, damit sie auch in die Lage versetzt werden, sich aus einer Notsituation heraus selbst zu befreien.“
    Weiterhin ist es nötig, in eine „Kinder-Infrastruktur“ zu investieren. Im Lebensumfeld von Familien muss es tragfähige Netze geben, um Familien zu unterstützen und benachteiligten Kindern so zu helfen, dass sie nicht abgehängt werden. Hier sind die Familienzentren zu nennen, das Netzwerk Frühe Hilfen und auch Spiel- und Beratungsangebote der Kinder- und Jugendhilfe und -arbeit. Gerade in ländlichen Regionen gibt es hier noch zu viele unterversorgte Gegenden.
    „Die aktuelle Kampagne unseres Bundesverbandes hat den Slogan ‚Kinder haben Armut nicht gewählt‘“, ergänzt Stephanie Wohlers. „Ich bitte alle Beteiligten, die positiv Einfluss auf das Leben von armen Kindern haben können, dies nicht zu vergessen. Außerdem möchte ich mich bei allen Menschen bedanken, die an unserer Seite stehen und den Kreis Stormarn kinderfreundlicher und kindergerechter gestalten.“

    Für den Kreis Stormarn fordert der Kinderschutzbund u.a.:
    Regelmäßige Armutsberichterstattung in den Städten und Kommunen
    Investitionen in die „Kinder-Infrastruktur“, um benachteiligten Kindern wirkungsvoll zu helfen
    Kommunale Hilfsfonds, die armen Kinder und ihre Familie fördern
    Keine zusätzlichen Zahlungen für Eltern von Kita-Kindern
    Kostenfreier Zugang für arme Kinder im Rahmen der offenen Ganztagsschule
    Kostenfreie Nutzung von kulturellen Veranstaltungen für arme Kinder und deren Familien
    Ausreichend kostenfreie Freizeit- und Ferienangebote in allen Städten und Gemeinden

    Die Fähnchen-Aktion fand im Rahmen der Stormarner Kindertage statt. Diese sind eine Initiative Stormarner Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Die Koordination liegt beim Kinderschutzbund Kreisverband Stormarn e.V.

    Mehr Bilder